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ELVIS PERKINS
"Ash Wednesday "
VÖ 13.07.2007

Elvis Perkins mag den Vornamen vom King of Rock’n’roll tragen, ein vergleichbarer Entertainer ist er nicht. Doch sein Talent hat er von seinen berühmten Eltern, den 1932 geborenen Anthony Perkins und der 1948 geborenen Berinthia Berenson. Vater Anthony Perkins ist uns leibhaftig vor Augen, sobald wir an Alfred Hitchcocks Film Psycho aus dem Jahre 1960 denken. Elvis ist ihm rein äußerlich nicht ganz unähnlich. Er erzählt uns, dass  sein Vater ein begnadeter Musiker war, der etliche Platten produziert hat. Sein Vater habe „das ebenso sehr genoss, vielleicht sogar noch mehr als die Schauspielerei...“

Seine Mama, Berinthia Berenson, hatte Anthony Perkins 1973 geheiratet. Auch sie war Schauspielerin und war in Streifen wie Cat People zu sehen. Doch vor allem arbeitete sie als Fotografin. Das Paar lebte in New York und so erblickten dort ihre beiden Kinder, Osgood 1974 und Elvis 1976 das Licht der Welt. Irgendwann fand es Vater Anthony von Vorteil nach Hollywood, Kalifornien, zu ziehen, um seine Karriere als Schauspieler zu forcieren. Mutter Berry versuchte auch dort ihre Kinder zu unterstützen wo es nur ging. Die Jungs besuchten Privatschulen und der junge Elvis sollte mit etwa acht Jahren Saxophon und Klavier lernen. Doch er interessierte sich weitaus mehr für die Gitarre und entwickelte eine innige Beziehung zu dem Saiteninstrument.

Die klugen und erfolgreichen Eltern bescherten ihren Söhnen sehr viel Glück, aber Elvis litt unter den Umständen, unter denen er in der Traumfabrik Hollywoods aufwuchs: „In Los Angeles dreht sich alles darum, künstlichen Welten zu erfinden, in denen einem Sachen vorgegaukelt werden, die es gar nicht gibt. Man kann dort... den Boden unter den Füssen verlieren... Die Traumfabrik setzt die Maßstäben für alles was einer macht... selbst wie er sich dort zu bewegen hat... Hollywood ist mit Sicherheit ein Ort, an dem man leiden kann... aber man kann dort auch sehr erfolgreich sein, wenn es das ist, wonach man strebt.“ Obwohl er seinen Vater sehr bewunderte und verehrte, sein großer Bruder Oz tatsächlich in die Fußstapfen der Eltern trat und Schauspieler wurde, interessierte ihn eine Karriere als Schauspieler nie.

Sein Vater Anthony, der von seiner Frau Berry bis zum Tode gepflegt wurde, starb 1992 an der Immunkrankheit AIDS. Als seine Mutter 2001 in einem der Flugzeuge sitzt, das ins World Trade Center stürzt, fällt es ihm zunehmend schwer an der Westküste zu leben, geschweige denn seine Kreativität zu entfalten. Stattdessen schlägt er sich mit unsinnigen Beschäftigungen durch. „Von Zeit zu Zeit hatte ich komische Jobs, um meine Miete zu bezahlen. Ich lebte eine Weile in New Mexiko, in Santa Fe. Dort gibt es einen Berg, auf dem man Ski fahren kann. In dem dortigen Skigebiet war ich als Liftboy beschäftigt... Oft war ich auch Babysitter bei Freunden...“

Von seiner inneren Unruhe getrieben, hat er längst begonnen an seiner eigenen Musik zu arbeiten und zu schreiben. Doch „meine Eltern waren beide schon nicht mehr da, als ich den Schritt in die Professionalität machte.“ Vitamin B hatten sie ihm also nicht hinterlassen. Mit seinem Bruder Oz hat er eine Band, sie spielen life  und machen mehrere Platte. „Meine Profession war es immer schon, meine Songs zu machen und Musiker zu sein... Ich habe alle meine Aufmerksamkeit und Energie da hineingesteckt.“

Inzwischen lebt er nicht mehr in Los Angeles, sondern verbringt eine Weile in Providence, unterhalb Bostons. An der Westküste fühlt er sich seiner Mutter näher, die in New York ihr Leben gegeben hatte. „Zugegebenermaßen hat dieser Tag mein Leben komplett verändert. Mir wurde klar..., wie ein derartiges Ereignis ein ganz normales Leben durcheinander bringen kann und wie wichtig die Menschen für uns sind, die wir lieben.“ Der 31jährige ist nun heimatlos. Als wir mit ihm sprechen, befindet er sich in Hamburg auf Promotion-Tour und ist ausnahmslos mit seinem Album beschäftig. „Ich habe alle meine Dinge eingelagert oder bei Freunden verteilt. Im Moment kann ich keinen Ort mein Zuhause nennen...“

Eben ist sein Debüt Ash Wednesday, Aschermittwoch, erschienen, das er mit seiner 2005 gegründeten Band Dearland aufgenommen hat. Inspiriert von den Schicksalsschlägen schrieb er den gleichnamigen Titelsong und betroffen machende Lieder wie Emile’s Vietnam In The Sky. Obwohl Elvis seit so langer Zeit Musik macht, hat es gedauert, bis er dieses wundervoll tragische und doch auch hoffnungsvolle Album herausgebracht hat. „Es brauchte eben seine Zeit bis es mir gelang, das zu sagen, was ich sagen wollte und es so zu sagen, wie ich es wollte!“, erzählt er. Das Album hat er seiner Mutter gewidmet. „For Berry“ steht auf der Innenseite des Covers. In Songs wie Sleep Sandwich besingt er das gnadenlose Los Angeles, allerdings mit einem Gefühl der Vergebung. Beschreiben will er selbst seine Musik nicht, das überlässt er anderen. Nur wenn er gezwungen wird, gebraucht er den Begriff Folk’n’roll, sagt aber „...eigentlich... mache ich die Musik nur und überlasse es anderen, sie zu klassifizieren, wenn sie unbedingt wollen.“

Wenn man ihm gegenüber ist und mit ihm spricht, wirkt er ruhig und zugleich nervös. Erst wenn er auf der Bühne steht, scheint er aus sich heraus zu gehen und strahlt eine Zufriedenheit aus, die man in seinen Songs wie While You Were Sleeping zu hören glaubt. „It’s only me and my heart... I close my eyes to disappear“ singt er und stellt in unserem Gespräch fest, „dass alles was ich sagen könnte, weitaus besser in meinen Songs oder deren Poesie aufgehoben ist... Ich lebe im hier und jetzt, und morgen wird sich zeigen, was passiert.“

Elvis Perkins mit seiner Band Dearland sind life ein echtes Erlebnis. Selten versteht es  einer so gut, sein Publikum in den Bann zu ziehen. Das Zusammenspiel der Musiker unter sich ist perfekt aufeinander abgestimmt. Die Harmonien von Elvis’ Gitarrenspiels und vor allem seines Gesangs haben etwas Friedliches und wühlen zugleich auf. Der ständige Zwiespalt ist nicht nur in seinen Songs zu finden. Wir fragten ihn, wie diese Welt aus seiner Sicht besser werden könne und er antwortete: „Das Beste wäre, wenn jeder erstmal mit sich selbst ins Reine kommen würde. Das würde dann vielleicht auch unsere Welt ändern.“


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