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Just Jack
"Overtones"
VÖ 20.04.2007

Worüber erzählen Sie in ihren Songs?

Jack: Über ganz viele verschiedene Dinge. In der Single „Stars” geht es um die Verrücktheit der Stars und deren Kultur. Ich schreibe über die Gefahren des Konsumverhaltens, über Sex und Beziehungen. Es geht um Menschen, die sich zu viel im Nachtleben herumtreiben. Es geht auch um das Erwachsenwerden und dass man mehr Verantwortung übernehmen muss, wenn man heiratet. Meine Songs sind eher für Leute meines Alters gemacht. Die meisten Band heute schreiben Lieder für Teenies und deren Probleme. Da ist ein riesiges Loch, wenn es um die Leute geht, die jenseits des Teenager und Twen Alters sind. Viele Dinge, die in meinen Songs vorkommen, habe ich selber erfahren. Nicht wenn ich von Promi-Spektakel erzähle, denn da gehöre ich nicht dazu. Auch bin ich zum Beispiel kein großer Freund des Konsums. In vielen der Songs verarbeite ich meine eigenen Erfahrungen und Eindrücke, die ich im Laufe meines Lebens gemacht habe.

Wenn Sie von negativem Themen erzählen, wie zum Beispiel in dem Song über das Konsumverhalten, was wollen Sie uns damit sagen?

Jack: Ich will auf keinen Fall predigen. Ich will nur meinen Standpunkt darstellen. Ich möchte bestimmte Dinge so darstellen, dass sich Leute damit beschäftigen oder identifizieren können. Ich möchte sie vielleicht sogar zum Nachdenken anregen, über Dinge, mit denen sie sich bisher nicht auseinander gesetzt haben. In dem Song über Konsumismus geht es um einen Kerl, der ein wunderschönes Apartment hat, das voll mit schönen Dingen ist. Doch nach einer Weile verliert sich das alles, es langweilt ihn zunehmend. Er fängt eine Affäre mit seiner Sekretärin an, seine Frau findet das heraus. Sein ganzes Leben bricht plötzlich auseinander und das alles nur, weil er ständig auf der Suche ist und diese Suche mit Konsum zu befriedigen versucht. Wenn er sich mehr mit seinem Leben und seinen persönlichen Bedürfnissen auseinander gesetzt hätte, wäre das alles nicht passiert. Damit will ich den Leuten nicht sagen: „Kauft keine Konsumgüter mehr!“

Wo wurden Sie denn eigentlich geboren und wie sind Sie so aufgewachsen?

Jack: Ich bin in Nord-London, in Camden Town geboren und hab so ziemlich immer dort gelebt. Dort aufzuwachsen war toll. Ich ging auf eine ganz normale Schule und war ein bisschen unbeliebt, weil ich auf andere offenbar arrogant wirkte. Aber meine Eltern unterstützten mich immer, bei allem was ich machte. Sie sind beide Designer und sehr kreativ. Nach der Schule ging ich für zwei Jahre weg aus London, um zu studieren. Auch lebte ich drei Jahre lang in Brighton, nur um mal was anderes zu sehen. Doch ich denke, dass ein echter Londoner immer wieder in seine Heimatstadt zurückkehrt. Ich bin jetzt 31 und würde ungern woanders leben.

Wieso sprechen Sie ein so vorzüglich verständliches Englisch, wieso haben sie keinen Londoner Vorstadtakzent?

Jack: Wenn jemand aus London kommt, dann spricht er einfach so. So wird in der Familie oder unter Freunden geredet. Ich denke, dass viele Musiker, die ihre Platten promoten, so tun als ob, sie sprechen für die Presse einen Slang, der gar nicht ihrer ist. Ich habe immer versucht ich selber zu sein und so ehrlich wie möglich rüber zukommen. Ich bin wie ich bin und ich will nicht vorgeben etwas zu sein was ich nicht bin. Ich möchte gar nicht so klingen wie ein Vorstadttyp, denn ich möchte für die Leute, die mir zuhören, so verständlich wie möglich sein und das weltweit, sowohl zuhause, also auch in Australien, Amerika oder Frankreich. So viele UK Slangs gibt es gar nicht…

Waren Ihre Eltern daran schuld, dass Sie zunächst Design studierten?

Jack: Vielleicht ein bisschen. Aber dafür gibt es mehrere Gründe. Ich hab als kleines Kind sehr viel gezeichnet, sogar Comics. Es war einfach in mir. Ich hab kleine Dinge gestaltet und bei Designwettbewerben mitgemacht. An der Uni absolvierte ich verschiedene Kurse in diese Richtung. Es war einfach klar, dass ich das studieren würde. Wenn man so jung ist und ohnehin nicht weiß, was man machen soll, dann ist es doch ganz gut, wenn man sich für etwas interessiert und es auch noch ganz gut kann! Normalerweise ist man in dem Alter ziemlich faul. Da ist es besser eins seiner Talents zu nutzen, als gar nichts zu tun.

Wenn Sie so gut waren, wieso haben sie damit aufgehört?

Jack: Vielleicht hab ich mich für das Falsche entschieden. Ich interessierte mich nicht so sehr dafür, Dinge zu machen. Wenn man Dinge gestalten soll, muss man sich zum Beispiel auf für Möbel und Materialien interessieren. Ich denke, dass vor allem im Produktdesign keine großartigen Innovationen zu machen sind. Es geht vielmehr darum, schon da gewesen Ideen neu umzusetzen, die Farbe zu ändern oder das Material. Ich war mehr ein Zeichner. Wenn ich mehr in Richtung Illustration und Grafikdesign gegangen wäre, würde ich das unter Umständen immer noch machen. Ich habe zwar einen Abschluss gemacht, aber mit 19 weiß man einfach nicht wirklich was man vom Leben will. Ich kenne viele Leute, die ein Studium haben und sich später nicht dafür, sondern für ganz andere Dinge entschieden haben. Ich bin mir sicher, Industriedesign hätte mich früher oder später sowieso gelangweilt. Ich hatte einfach die falsche Mentalität für diese Aufgabe, vor allem ethisch. Ich interessiere mich nicht dafür immer neue, geringfügig abgewandelt Produkte herauszubringen. Das ist keine Herausforderung für mich. Es ist gut so wie es ist. Ich bin sehr froh darüber, dass ich mich dagegen entschieden habe und nun Musik mache!

Aber sind sie nicht auch jemand, der vorhandene Musik immer wieder neu erfindet?

Jack: In gewisser Weise schon, aber da kommt eine CD dabei heraus. Ich finde, es besteht ein sehr großer Unterschied darin, ein Mahagonisofa umzugestalten oder Musik zu machen. Zweites ist sehr innovativ. Andererseits mag ich es, wenn Musik eine gewisse Art von Parallelität aufweist. Vielleicht kommt das tatsächlich auch von meiner gestalterischen Ader.

Wie haben Ihre Eltern reagiert, als sie sich gegen Design und für die Musik entschieden?

Jack: Die haben mich trotzdem immer unterstützt! Mein Vater teilt teils sogar meine Ansicht, dass heutige Designprodukte oft nichts weiter sind als wertloses Zeug. Es bedeutet nichts und es hat keine Funktion. Meine Eltern haben eingesehen, dass ich nicht dafür geschaffen bin. Sie haben gesehen, dass ich trotz alledem immer auf mich aufgepasst und Geld verdient habe. Das haben sie zu schätzen gewusst und sie sahen, dass ich dabei glücklich war. Ich hab mich nie hängen lassen, sondern nahm meine Musik sehr ernst.

Sind sie unter anderem wegen der Musikszene nach Brighton gegangen?

Jack: Eigentlich nicht. Ich war so mit mir selber beschäftigt und damit, meine Musik zu vervollkommnen, dass ich nicht mal wirklich in das Leben in Brighton eingestiegen bin. Die Brightoner Musikszene ist sehr klein und in sich geschlossen. Von manchen Sachen, die dort total angesagt sind, hat man woanders überhaupt nichts gehört. Mich hat es ein bisschen gestört, dass dort alles in Cliquen ablief.

Sie haben sich immer eher für schwarze Musik interessiert. Wie geht das mit London zusammen, wo Brit-Pop und Post Punk regieren?

Jack: Als ich um die 16 Jahre alt was, hat sich alle Welt mehr für Clubmusik, House und Techno interessierte. Es gab kaum Lifebands oder Events. Alles drehte sich um die DJs. Ich erinnere mich, als die Presse schrieb „Jeder will an die Turntables, keiner interessiert sich mehr für die gute alte Gitarre.“ Heute ist es genau anders herum. Aber mich hat die damalige Art der Musik, vor allem die schwarze Musik schon von klein auf interessiert. Ich mochte die ganz frühe Hip Hop Szene und ihre Kultur. Damals kam die ganze Rave, Breakbeat und Drum’n’Bass Bewegung auf. Es war eine sehr spannende und interessante Zeit. Alles was ich damals als Teenager gehört habe, beeinflusst mich vermutlich heute noch...

Wie würden Sie die Musikszene im London ihrer Teenager Zeit im Vergleich zu heute beschreiben?

Jack: Heute dreht sich viel mehr um Gitarren und Herumbrüllen. Alle machen ihre DIW Musik. Die meisten Musiker heute haben eine Affinität zu Punk und alles was damit zusammenhängt. Im Gegensatz dazu interessiere ich mich überhaupt nicht dafür. Vielleicht kommt das daher, weil ich nie wirklich wütend war, Probleme mit meinen Eltern hatte, sie hasste, sie mit lauter Musik nerven oder mit einem Nasen Piercing schocken wollte oder aufsässig sein musste. Ich war immer schon sehr entspannt.

Wie kommt das, vor allem da sie aus London kommen?

Jack: Vielleicht kommt das daher, weil ich der Überzeugung bin, dass Gutes in der menschlichen Natur steckt. Es muss nur herausgekitzelt werden. Und ich habe erkannt, dass ich nicht wirklich etwas ändern und bewegen kann. Es besteht keine Chance, dass mich jemand aus der Fassung bringt oder Wütend macht. Ich ärgere mich schon gelegentlich, aber mich bringt so gut wie nichts aus der Ruhe.

Denken Sie auch mal über Ihre Zukunft nach?

Jack: Nicht wirklich. Morgen bin ich vielleicht tot! (lacht) Klar denke ich manchmal daran wie cool es wäre, wenn ich mir um nichts Sorgen machen müsste. Aber im Moment kann ich mir keine Zukunftspläne schmieden, weil sich ständig die Dinge ändern. Dauernd passiert etwas neues, da kann ich gar nichts dagegen tun. Ich versuche deshalb vor allem für den Moment zu leben.

Was würden Sie machen, wenn sich in ein oder zwei Jahren keiner mehr für „Just Jack“ interessiert?

Jack: Nun, ich habe mehrere Talente. Ich könnte sogar wieder als Grafikdesigner arbeiten. Ich könnte vielleicht Manager werden. Ich habe viele Freunde, die Künstler managen oder produzieren. Ich habe durch die Musikindustrie sehr viele Kontakte geknüpft, habe aber auch ein paar Leute vor den Kopf gestoßen. Ich hab mir nie wirklich um die Zukunft oder meine musikalische Karriere Gedanken gemacht. Es hat sich immer eins zum anderen gefügt. Das Leben geht weiter, so oder so.

http://www.justjack.co.uk/



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