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Tocotronic
"Kapitulation"
VÖ 24.05.2007

Da kommt man in einen Radiosender, um sich mit einem Jugendidol der 90er zu unterhalten und alle Illusionen eines interessanten und entspannten Gesprächs fallen noch vorab in sich zusammen. Denn versammelte Mannschaft der deutschen Kultband Tocotronic sitzt Radiomoderator im Aufnahmestudio gegenüber. Die Band ist scheinbar nicht gewillt auf den Plausch einzugehen. Was haben wir da zu erwarten?

Glücklicherweise (denke ich mir) habe ich nur zwei Mitglieder der Band in einem der netten Barcelona Chairs Sitzecken im Gebäude des BR gegenüber.
Und glücklicherweise ist da Rick, der nette Brillenträger (der aussieht wie Willi aus Biene Maja) mit seinem amerikanischen Akzent, der nicht allen Humor in den letzten Stunden der zahlreichen Interviews verloren zu haben scheint und ein bisschen herum shakert. Denn Sänger Dirk erweist sich im Laufe des Gesprächs als echte Mimose, fühlt sich leicht auf den (nicht vorhandenen) Schlips getreten, scheint aber auch sehr von sich überzeugt. Rockmusiker oder großartiger Kunstkritiker und verkanntes Künstlergenie?
Von einigen Fans vielgeliebten, aber von so manchem Musikliebhaber kritisiert und als langweilig verpönt, sind die Tocos. Davon will Herr von Luwtzow nichts wissen – denn die Verkaufszahlen würden doch beweisen, dass sie immer oben auf waren, aller Klischees und Gerüchte zum Trotz. Ihr ureigenes Verlangen sei es von jeher gewesen, mit der deutschen Sprache zu spielen und sie entsprechend gewürdigt zu wissen. Von wegen Schlagworte, was ist das denn? Poesie sei es und mit nationalem Stolz habe das gar nix zu tun, denn sie seien doch eindeutig eher in der linken Szene anzutreffen...

Doch lest selbst, was uns Tocotronic, benannt nach einem Gameboy-Vorläufer (für unsere jüngeren Leser), zu erzählen haben, die Tocos, die 1993 in Hamburg gegründet wurden, die die so genannte Hamburger Schule populär gemacht und den „Enge-Werbe-T-Shirts-Trainingsjacken-Cordhosen-Sti“ wieder populär gemacht haben, die von Spex und Co hoch gelobt wurden und ihren Fans gefeiert werden.

Euer neues Album „Kapitulation“ klingt ein bisschen wie back to the roots, wie Euere ersten Platten. Wollt ihr wieder „Teil einer Jugendbewegung“ sein?

Dirk: Tut mir Leid, diese Frage kann ich nicht beantworten. Das ist ein Stück, das wir vor knapp 13 Jahren geschrieben haben. Im Rückblick haben wir es gemacht, weil die Forderung uns so absurd erschien, so absurd, dass man gewinnbringend ein Stück daraus machen konnte. Faktisch gesehen war es kein Wunsch von uns eine Jugendbewegung zu sein. Aus jetziger Sicht wäre es sowieso absurd, weil wir alle ein fortgeschrittenes Alter haben.

Die Songs und Texte auf dem neuen Album sind wie damals sehr „ich-bezogen“. Es hieß, Euch sollen eine Weile lang die Fans davongelaufen sein, als Ihr keine weinerlichen Lieder mehr gemacht habt, sondern auf elektronische Musik umgestiegen seid. Bedeutet dieses Album eine Rückkehr zu Euerem Ursprung?

Dirk: Nein, das wäre furchtbar. Erstens sind uns keine Fans davongelaufen. Wir haben immer eine in etwa gleiche Anzahl an Platten verkauft. Und bei den Konzerten haben wir eher Leute hinzugewonnen. Also ist diese Aussage nicht richtig. Es stimmt nicht alles was geschrieben wird. Irgendwas zu machen, um irgendwelche Leute zu gewinnen, so funktionieren wir sowieso nicht. Das wäre uns zu zielgerichtet oder dienstleisterisch. Wir machen Musik in erster Linie für uns selbst, um selber ein befriedigendes Gefühl zu haben, man hat hier so was wie gute Kunst gemacht.

Rick: Nur weil ein Titel „ich“ beinhaltet, heißt es nicht, dass es erste Person ist.

Dirk: Außerdem haben wir immer Stücke geschrieben, die aus der Ich-Perspektive sind. Das ist ganz normal für einen Songtext. Es bleiben einem nicht viele Möglichkeiten. Die erste Person, die zweite Person Singular, die dritte Person wird schon schwieriger. Die bietet sich eher für Romane an. Ich persönlich mag gern die erste Person Plural „wir“ weil es immer so schön größenwahnsinnig klingt.

Rick: Da gibt es auch ein Steven King Buch…

Dirk: Außerdem gibt es doch immer irgendwelche Leute, die herumnölen; Oh, diese Band hat mich enttäuscht. Die sind es doch, die weinerlich sind. Eine Band entwickelt sich weiter. Es ist doch langweilig, sich darüber zu unterhalten. Manche Leute haben immer was zu nörgeln.

Rick: Wir machen ja auch nicht unbedingt für die Hörer Musik. Wir machen das zu allererst für uns selbst.
Manche Menschen nörgeln halt gerne. Wenn sich alle anderen umarmen, ist das doch langweilig. Darum ging es doch von Anfang an in der Rockmusik, auch schon bei den Rolling Stones: „I can’t get no satisfaction”. Es gehört zur Rockmusik sich zu beschweren, und nicht alles spitze zu finden, oder?

Der Titel des Albums und auch eines Songs „Kapitulation“, was bedeutet der für Euch?

Rick: Es fing damit an, dass es dieses Stück gab, das „Kapitulation“ hieß. Dann war es irgendwann klar, dass die Platte so heißen würde.

Dirk: Das ist einfach ein sehr schöner Titel, nö? Wie so was zustande kommt, weiß man oft nicht so richtig. Wieso gibt’s Bücher die „Auslöschung“ heißen. Warum gibt’s Filme die „Apokalypse Now“ heißen? Ich weiß es nicht. Man denkt halt, dass der Titel gut ist und passend und vielleicht auch als Klammer ganz gut funktioniert, um diese zwölf Stücke zusammenzuhalten, wie so eine Art Oberbegriff. Das Wort hat uns gut gefallen, gerade auch in seiner Melodik, und so fanden wir, dass es ein wunderschöner Titel für die Platte sein würde.

Das Lied „Kapitulation“ an sich ist sehr zwiespältig, um nicht zu sagen, negativ angehaucht, oder?

Dirk: Das liegt im Wesen einer interessanten, künstlerischen Äußerung, die zwiespältig ist. Wenn alles eindeutig wäre, dann ist das wahnsinnig langweilig. Zumindest ist das nicht so ganz unser Ding. Im Prinzip ist alles was wir machen, zwie-, drie-, vier- und fünfspältig. Wir mögen einfach Dinge die doppelt kodiert, dreifach genäht sind und in Schichten daherkommen.

Trotzdem klingen Euere Lieder immer noch so ein bisschen nach Slogan.

Dirk: Weiß ich nicht. Was ist ein Slogan und was ist kein Slogan? Ich finde es nicht slogan-haft. Es sind halt gute Titel.

Rick: Es ist natürlich interessanter einen Titel wie „Kapitulation“ zu nennen, als „mein Hund blablabla…“
Dirk: „Mein Ruin“ klingt einen Tick interessanter als „Mein Hund Bello“. Ob es deshalb ein Slogan ist? Es sind starke Titel. Wir mögen starke Worte. Wir finden es gut, wenn die Sachen eine gewisse Kraft oder auch ein gewisses Pathos haben. Gerade deshalb, weil es manchmal auf eine angenehme Art und Weise fast überzogen klingt, dass es ins Lächerliche abdriftet. Die Slogans, auf die wir früher immer hin reduziert worden sind, das interessiert uns schon länger nicht mehr. Vor allem auch nicht Slogans um der Slogans Willen.

Rick: Vielleicht ist es auch eine Überraschung, dass die deutsche Sprache gute Worte hat. Jeder kann diese Worte nutzen. Es gibt auch gute Sätze. Als Journalist versucht man auch auf diese Weise Überschriften zu finden, die interessant...

Dirk: … die Sachen auf den Punkt bringen.
Rick: Man liest die Überschrift und sagt sich, ah, diesen Artikel möchte ich lesen. Genau so ist das mit einem Lied, einem Song- oder Plattentitel. Man versucht etwas zu erschaffen, das die Leute neugierig macht, das sie interessant finden.
Dirk: Das ist ein guter Vergleich. Wenn ich einen interessanten Buchtitel in einer Buchhandlung liegen sehen, dann würde ich das Buch in die Hand nehmen...
Wenn man Texte schreibt, die gesungen werden sollen, dann sind die, glaube ich, immer poetisch. Aber auch „klingelingeling, hier kommt der Eiermann“ ist Poesie, sogar ziemlich gute, wie ich finde.

Ein Zitat von Euch ist nicht so poetisch sondern lautet: Deutschrock ist immer noch Mist. Seid Ihr dieser Meinung nach wie vor?

Dirk: Ja, auf jeden Fall. Wir hassen deutschsprachige Rockmusik. Als wir angefangen haben Musik mit deutschsprachigen Texten zu machen, haben wir begonnen, die deutsche Sprache wie eine Fremdsprache zu benutzen, um was anderes zu machen als diesen üblichen Deutschrock. Es war eine Zeit lang unglaublich befruchtend, weil es viele Bands gab, die das auch so gemacht haben. In letzter Zeit hat sich komischerweise diese Schraube wieder ein bisschen zurückgedreht. Es gibt wirklich viele deutsche Bands, die genauso deutschrockig klingen wie die Bands, die es vor unserer Zeit gab. Deshalb schien es uns ganz lustig zu sagen „Deutschrock ist immer noch Mist.“

Was haltet Ihr dann von der neuen Deutschrockbewegung, auf die Jugendliche abfahren? Was haltet Ihr zum Beispiel von Tokio Hotel?

Dirk: Tokio Hotel finden wir schon aus „gender-identity“ Gründen nicht uninteressant, weil wir es einfach super finden, wie feminiert sich da ein Frontmann gibt, in einer Welt, die immer „homophober“ wird. Die ganze Rockmusik ist unfassbar „homophob“ geworden, vor allem im A&B und HipHop Bereich. Da sind viele Positionen, die in den 90er Jahren sehr „virulent“ waren. Der klassische Geschlechterbegriff ist aufgeweicht worden und nun sind sie wieder zurückgekehrt zur ganz bodenständigen Aufteilungen, nur Jungs, nur Mädchen. In dem Sinn finden wir ne Band wie Tokio Hotel natürlich wahnsinnig mainstream-ig, in jeder Hinsicht, von mir aus auch zusammen gecastet oder so was. Aber das ist ja auch völlig egal, denn besser gut zusammen gecastet als schlechter selbst gegründet. Ich schweife ab, jedenfalls aus diesem Grund finden wir das durchaus interessant, weil hier offensichtlich jemand mit weiblichen Codes arbeitet.
Rick: Man kann es nicht blöd finden. So ein Trend wird einfach ausgenutzt. Es war doch ganz klar, dass nur drei Monate nach „Wir sind Helden“ jede Band, die deutsch gesungen hat, unter Vertrag genommen und neue Bands gecastet werden würden.

Euer Name wird immer im Zusammenhang mit Hamburger Schule genannt. Dieser Begriff ist nicht mehr aktuell. Was passiert im Moment an Musik in Hamburg?

Dirk: Ich wohne in Berlin, deshalb kann ich’s nicht so richtig sagen. Außerdem interessiertes uns das auch nicht so. Der Begriff HH-Schule war ja interessant, weil er auf eine Theorieversessenheit von Hamburger Bands zu der Zeit verwiesen hat. Es war ein Witz, der auf die Frankfurter Schule um Adorno verwiesen hat. Derjenige der den Witz geprägt hat, ich weiß nicht mehr wer das war, wollte darauf hinweisen, dass da möglicherweise in Hamburg auf ne Art und Weise musikalisch geforscht wird, die nur noch der von Adorno, Bornheimer, Walter Benjamin, etc. zu vergleichen ist. Mit der Zeit hat sich dieser Begriff aber unglaublich aufgeweicht, er hat einen reinen Regionalismus bezeichnet. Darum ging’s aber gar nicht. Hamburger Schule hätte sozusagen auch außerhalb Hamburgs stattfinden können. Es gab Bands, die dem Witzkriterium der Hamburger Schule entsprochen, die in Berlin gelebt haben, wie „Mutter“ oder „Lassie Singers“ oder auch in München. Es ging einfach um einen bestimmten Anspruch und um eine bestimmte Form von theoretischem Überbau oder Interesse oder „Interdisziplinarität“. Diese Bands arbeiten immer noch, und die gibt’s immer noch. Viele haben sich neu gegründet.

Interessiert Euch denn andere Musik von anderen Bands?

Dirk: Na klar, man hört die ganze Zeit Musik und man ist auch Musikfan. Das ist sehr wichtig. Wir hören alles Mögliche, ganz antizyklisch. Man kauft sich nicht immer einen Stapel Platten und hört die ab. Man hat ganz bestimmte Phasen…
Rick: Ich kauf mir immer stapelweise Platten, die sind nicht immer neu
Dirk: Wir hören privat alles Mögliche, von Klassik bis Jazz, über Rock und Folk.

Was hat es denn mir dem Buch der Galerie Daniel Buchholz auf sich?

Dirk: Das ist ein Buch, eine Sammlung von Songtexten von Tocotronic aller Platten. Das ist in der Zusammenarbeit mit der Galerie Buchholz erschienen, zusammen mit vier Künstlern, die ihre Werke zur Verfügung gestellt haben, um in dem Buch abgedruckt zu werden. Sie sind befreundet mit uns als Band oder mit mir als Texter. Wir haben ohnehin schon immer eng mit ihnen zusammengearbeitet. Cosima von Bonin, Michael Krebber, Sergej Jensen und Henrik Olesen. So ist eine Art Künstlerbuch entstanden, das aber nur bei der Galerie Buchholz in Köln zu erhalten ist. Das gibt’s in keiner Buchhandlung.

Sind diese Künstler über Deutschland hinaus bekannt?

Dirk: Ja, die sind weltweit bekannt, international bekannt. Michael Krebber ist einer der vielleicht einflussreichsten Maler unserer Zeit. Cosima von Bonin ist eine sehr einflussreiche Künstlerin. Sie ist gerade auf der Documenta.

Woher kennt Ihr die Künstler?

Dirk: Och, wir kennen die eben, denn ich schreibe seit ungefähr acht Jahren für die Zeitschrift „Texte zur Kunst“ nebenbei als Kunstkritiker, quasi als Hobby, weil man da nicht so viel verdienen kann. Wir sind kunstinteressiert und kennen viele Künstler, die Fans von unserer Musik sind.

Würdet Ihr heute noch mal einen Preis wie den Kometen ablehnen?

Dirk: Es ging nicht um den Preis an sich, sondern um die Betitelung „jung, deutsch und auf dem Weg nach oben“. Das erschien uns so wahnsinnig blöd wie auch anmaßend und nationalistisch, weil man keinen Preis dafür annehmen kann, deutsch zu sein, und auch keinen Preis dafür annehmen kann, jung zu sein, und auf dem Weg nach oben, das war auch was, das uns nicht so sehr interessierte. Wir wollten das nicht, weil wir eine Renationalisierung von Musik ablehnen. Es ist völlig egal ob man deutsch ist oder nicht deutsch.

Rick, bist Du deshalb ins Boot von Tocotronic gekommen?

Rick: Ja! Vielleicht? (lacht)

Dirk: Ganz bestimmt! Er hat uns noch mal befreit!

Es heißt, Ihr seid politisch engagiert. Was bedeutet das?

Dirk: Das ist nicht wichtig. Wir sind nicht politisch aktiv, wir sind ne Rockband. Wir sind nur alle link sozialisiert und bewegen uns hauptsächlich in linken Kulturkreisen. Ich kann jetzt nicht für alle sprechen, aber wir outen uns als politisch links und haben auch keine Probleme damit es zu sagen. Wir sind aber nicht aktiv.

Was heißt das dann für Euch mit der großen Koalition zu leben, mit unserer Kanzlerin?

Dirk: Auch wenn man nicht politisch aktiv ist, hat man eine Meinung zu irgendwas, zu politischen Fragen.

Wenn Ihr nun Macht hättet, was würdet Ihr ändern?

Rick: Das ist nicht unsere Entscheidung. Wir sind keine Politiker. Man kann eine Meinung haben, wir haben das Recht dazu und nicht eine Lösung. Wir haben keine Lösung für das Problem, das soll jemand anders lösen, der damit Geld verdient.
Dirk: Das ist total verkürzt. Auf so was kann man nicht antworten: Was würdest Du ändern wenn Du an der Macht wärst? Das kann ich nicht beantworten…
Rick: Ich hab so was meine ganze Kindheit gehört; Was würdest Du machen? Geh mal nach drüben. Aber wir leben doch in einem demokratischen Land und man hat das Recht darauf. Deutschland ist eine Demokratie und Amerika auch. Es wird immer Leute geben, die die Regierung kritisieren. Man hat Hitler gewählt, man hat auch Bush gewählt. Ja und? Wenn 80 Prozent der Bevölkerung Idioten sind, dann kann man nichts dafür.

Dirk: Das gehört jetzt nicht hier her ins Interview. Das kann man doch nicht in zwei Sätzen abhandeln. Ich kann keinen Kommentar abgeben. Es ist nicht unsere Aufgabe einen Kommentar zu tagespolitischen Sachen abzugeben. Man muss sich ja nicht immer zu allem äußern… Wir sind links sozialisiert, bewegen uns in einem linken Umfeld, sind sozusagen aus einem erweiterten Hafenstraßen-Umfeld, autonomen Jugendzentrum etc. p. p. und natürlich haben wir eine politische Meinung, so wie andere Menschen auch. Ich finde es nicht statthaft in einem Interview was über die gegenwärtige Regierung zu sagen, weil ich es einfach langweilig finde. Was soll das bringen, es ist überflüssig.

Die Promo Eueres neuen Albums ist mit einem personalisierten Kopierschutz versehen. Widerspricht das nicht einer sozialen Einstellung? Geht das von Euch aus?

Rick: Das ist ganz normal, solche Promos heraus zugegeben. In letzter Zeit hat man die Erfahrung gemacht, dass viele Journalisten in Tauschbörsen unterwegs sind und die Platte schon drei Monate vor der Veröffentlichung ins Netz stellen. Wenn es das nicht gäbe, wäre das nicht nötig, aber so kann nachvollzogen werden, wer so was macht. Trotzdem wird man nicht drum herum kommen, den Journalisten Promos zu geben, denn sie müssen sich die Musik anhören, um ihren Job machen zu können.

Könnt Ihr mir die Technologie von einer „watermarked CD“ erklären?

Rick: Das ist vom Fraunhoferinstitut entwickelt worden, das auch die mp3s erfunden hat. Es werden Nummern in die CD mit eingebrannt, die eine hohe Frequenz ergeben, aber nicht den Klang der Musik verändern. Diese Nummern werden einem Journalisten zugeordnet und so kann man nachvollziehen wer wann was ins Netzt gestellt hat. Das menschliche Ohr kann diese Frequenzen nicht hören, doch ein Hund könnte es vielleicht. Das Fraunhoferinstitut hat das Gift und das Gegenmittel entwickelt.

Was sind Euere Pläne mit diesem und nach diesem Album?

Rick: Da haben wir auch keinen Fünfjahresplan.

Dirk: Wir haben das Album gemacht und das war eine Anstrengung. Jetzt gehen wir damit auf Tour, wir spielen viele Konzerte und Festivals. Alles weitere ist unserer Verantwortung entzogen. Die Platte werden sich vielleicht Menschen anhören oder auch nicht. Das Album ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlicht. Im Ausland gibt es das als Import, in Holland oder Dänemark oder Spanien. Aber der Anteil ist verschwindend gering. Wir gehen auch äußerst selten im Ausland auf Tour. Das ist Musik mit deutschen Texten, das wird im Ausland nicht gehört, aus gutem Grund auch, weil’s keiner versteht.
Rick: Ich glaube, wenn man als Ausländer Tocotronic hören würde, wüsste man nicht unbedingt gleich, dass es deutsch ist.

Trotzdem haben Tocotronic doch ihren ganz eigenen Stil kreiert?

Dirk: Mit Verlaub gesagt… wir haben jetzt keinen ganz neuen Stil kreiert.

Rick: Ist doch alles auch nur geklaut. Wo, das sagen wir nicht.
Dirk: Wenn Du uns jetzt mit anderen Bands vergleichst, z.B. mit Tokio Hotel, dann ist das ungerecht, weil die Ihre Alben nicht selber einspielen.

Rick: Das ist Tokio Hotel gegenüber unfair.

Dirk: Ja, das ist unfair. Die sind ja in dem Sinn gar keine Band sondern ein Marketing Produkt, auf das sehr viele Kräfte einwirken... In der Rockmusik kann man das Rad nicht mehr neu erfinden





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